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Bildung (Hochwertige) SDG 4, Digitales

Wertvoll oder kritisch? Digitale Bildung in Schulen

Es ist kompliziert … Digitale Medien und Lernmaterialien sind ein „zweischneidiges Schwert“: Werden sie von Kindern zu früh und zu häufig genutzt, schadet das ihrer Entwicklung und Gesundheit. Doch Jugendliche, welche bald ins Berufsleben eintreten, müssen auf ihre digitale Lebens- und Arbeitswelt vorbereitet sein. Für Andere ist digitale Bildung sogar der einzige Weg, um überhaupt an Lernangeboten teilhaben zu können, wie im Weltbildungsbericht GEMR 2023 steht.

(Kommentar von Susanne Braun-Speck, u.a. Herausgeberin des Community-Buches „Nachhaltige Bildung. Nachhaltige Schule„).

„Generell gibt es einen großen Unterschied zwischen Konsumieren und Produzieren von digitalen Medien und Lernmaterialien. Zum Anderen kritisiere ich schon seit Jahren, dass beispielsweise oft die 5. Klassen als Erstes mit digitaler Bildung starten sollen, während noch unzählige Schulabgänger ohne zeitgemäße IT- und Medienkompetenz ins Berufsleben starten müssen.“

Medien konsumieren bedeutet, sie zu nutzen, oft nur anzusehen, ohne selbst aktiv zu sein. Bei Lernapps bedeutet dies, z.B. nur Antworten auswählen oder beispielsweise ein Video abspielen zu können. Medien und Lernmaterialien produzieren bedeutet dagegen, sie herzustellen, sie aktiv zu gestalten und dabei kreativ zu sein.

Ähnlich wie beim Fußballspielen macht es einen großen Unterschied, ob Menschen im Fernsehen nur Spiele anschauen oder selbst trainieren. Während Medienkonsum etwas Inaktives ist, ist Medienproduktion etwas Selbstaktives und fördert Zukunftskompetenzen wie Kreativität, kritisches Denken etc.

HEISE titelte am 27.11.23: „Wissenschaftler: Tablets und Laptops machen die Kinder dümmer“

Hintergrund: Über 40 Experten aus Bildung und Wissenschaft fordern einem Aufschub der Digitalisierung an Schulen und Kitas. „Es ist offensichtlich, dass Bildschirme große Nachteile für kleine Kinder haben. Sie behindern das Lernen und die Sprachentwicklung. Zu viel Bildschirmzeit kann zu Konzentrations-Schwierigkeiten führen und die körperliche Aktivität verdrängen“ heißt es in einem Zitat vom Karolinska-Institut.

„Die wissenschaftliche Erkenntnis ist inzwischen, dass Unterricht mit Tablets und Laptops die Kinder bis zur 6. Klasse nicht schlauer, sondern dümmer macht“, begründet der Offenburger Medienpädagoge Ralf Lankau die Initiative. Auch Schulpädagoge Klaus Zierer (welcher mit John Hattie u.a. das Buch „Visible Learning“ herausgebracht hat), sowie der bekannte Mediziner Manfred Spitzer sowie Thomas Fuchs zählen zu den ersten Unterzeichnern der Forderung.

Nun: Hier ist explizit die Rede von kleinen Kindern bis zur 6. Klasse.

„Ja, es ist grenzwertig, wenn kleine Kinder bereits an Smartphone und Tablet ihre Freizeit verbringen! Und sie bereits in der Grundschulzeit über APPs digital lernen zu lassen, halte ich seit jeher für grenzwertig und überhaupt nicht für zielführend. Häufig wurde ich schon gefragt, wie ausgerechnet ich das sagen kann, da ich doch Referentin für digitale Bildung sei. Nun: die Antwort ist ganz einfach:

„Bei unseren digitalen Lernprojekten sind die Schüler:innen deutlich älter (ab 8. Klasse) und vor allem selbst-aktiv. Sie sind die kreativen Produzenten von Online-Medien und lernen zudem, wie digitale Projektarbeit funktioniert! Das ist etwas ganz anderes, als Medien lediglich zu konsumieren.“

Außerdem erwerben sie dabei eine ganze Reihe an Kompetenzen und Fähigkeiten, welche sie in ihrem digitalen Arbeits- und Privatleben benötigen. Auch in Bezug auf KI ist das Medien-selbstmachen DIE Antwort, wie ich am Wochenende auf LinkedIn schrieb. Auszug:

„Auf jeden Fall brauchen wir deshalb insbesondere 21st Century Skills wie Medienkompetenz, kritisches Denken und Analysefähigkeiten. In Schulen kann und muss sich damit alles umkehren. Schüler:innen müssen Texte durch KI nicht mehr zwangsweise schreiben, aber sie analysieren, kritisch hinterfragen, prüfen und nach-recherchieren. Das ist so gesehen forschende und journalistische Arbeit, die mega effektiv ist; also selbst-aktives, entdeckendes Lernen auf digitale Art und der Lerneffekt ist enorm! Man könnte auch sagen, es ist Detektivarbeit – damit spannend! Genau so etwas, und noch viel mehr, lernen Schüler:innen in meinen digitalen Lernprojekten von Media4Schools by Sii-Kids“

Die BNE-digital.de ist so ein digitales Lernprojekt – für Jugendliche ab Klasse 8

„Selbst meine eigene Tochter sagte als 18-jährige mal, sie wäre froh, dass sie noch ein richtiges Draußenkind gewesen wäre. Wir waren jeden Tag, außer bei Sturm, stundenlang im Freien und Unterwegs. Sie war stets gesund und fit. Und wenn ich eins ganz sicher weiß: Es war ein Fehler ihr schon zum 12. Geburtstag ein Handy zu schenken – ich weiß, das ist heutzutage spät – leider.“ Es scheint widersprüchlich zu klingen, dass ich dennoch dafür war, dass meine Tochter in das Oberstufenprofil „IT und Medien“ geht.

Aber das ist es nicht. „Ein Kind sollte ein Kind bleiben und alles andere tun, als Medien konsumieren. Ich hatte früher schon ein schlechtes Gewissen, wenn ich sie 20 Minuten habe TV sehen lassen, wenn ich abends in Ruhe duschen wollte. Aber dennoch ist unsere Welt zunehmend digital und ich halte es für elementar wichtig, dass größere Kinder und Jugendliche lernen, damit umzugehen. Nicht das Digitale, nicht KI, soll uns lenken können. Wir sollten die Fähigkeiten besitzen, Digitales inklusive KI gezielt zu nutzen! In meinen Workshops geht es entsprechend immer um Grundlagen, um digitale Projektarbeit und um das kreative Gestalten von Online-Medien in Textform, Audio, Video, Lernspielen.“

Digitale Medien sind in Bezug auf Bildung für Millionen von Menschen eine Rettungsleine.

In der deutschen Kurzfassung des „Global Education Monitoring Reports (GEMR)“, also des Weltbildungsberichts, welcher von der UNESCO unterstützt und gefördert wird, stehen insbesondere auch Vorteile von Digitaler Bildung, aber auch soziale Ungerechtigkeiten, beispielsweise (gekürzt, Seite 1):

  • Barrierefreie Technologie und universelles Design haben für Lernende mit Behinderungen neue Möglichkeiten eröffnet.
  • Radio, Fernsehen und Mobiltelefone ersetzen bei schwer erreichbaren Bevölkerungsgruppen die traditionellen Bildungsangebote.
  • Während der COVID-19-Schulschließungen hat Online-Lernen den Zusammenbruch des Bildungswesens verhindert. Der Fernunterricht hatte das Potenzial, über 1 Milliarde Lernende zu erreichen.

Bestimmte Bildungstechnologien können bestimmte Arten des Lernens in bestimmten Kontexten verbessern.

Gekürzt, Seite 1 des Berichts:

  • Bei bestimmten Lernformen konnten kleine bis mittlere positive Effekte der digitalen Medien nachgewiesen werden.
  • Der Schwerpunkt sollte auf den Lernergebnissen und nicht auf dem digitalen Input liegen.
  • Außerdem kann der Medieneinsatz sich nachteilig auswirken, wenn er unangemessen oder übertrieben erfolgt.

In dem Weltbildungsbericht 2023 steht abschließend (Deutsche Zusammenfassung, Seite 34):

„Informations- und Kommunikationstechnologien haben das Potenzial, Chancengerechtigkeit und Inklusion zu fördern, indem sie benachteiligte Lernende unterstützen und mehr Wissen in aktivierenden und kostengünstigen Formaten verbreiten. In bestimmten Kontexten und bei bestimmten Lernformen können sie die Qualität des Lehrens und Lernens im Hinblick auf Grundfertigkeiten verbessern. In jedem Fall gehören nun auch digitale Kompetenzen zu diesen Grundfertigkeiten.“

In unserem Community-Buch „Nachhaltige Bildung. Nachhaltige Schule“ (Seite 84, 2022) hatte ich schon geschrieben:

„Zu den eigentlichen drei Kompetenzen, welche laut SDG 4 alle Menschen weltweit beherrschen sollen: Lesen, Schreiben, Rechnen, gehört meines Erachtens jetzt „Digitalität verstehen und anwenden“ dazu!“ – ab der 8. Klasse.


Quellen:

  • Community-Buch Nachhaltige Bildung. Nachhaltige Schule, 2022
  • Heise-Bericht vom 26.11.23
  • UNESCO – Deutsche Kurzfassung des Weltbildungsberichts, 2023
28. November 2023
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